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Erwerbsunfähigkeitspension


Erwerbsunfähigkeit liegt vor, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen die bisherige Erwerbstätigkeit nicht weiter ausüben können und auch nicht in der Lage sind, sich durch eine andere zumutbare Erwerbstätigkeit selbst zu erhalten.

Kann die Erwerbsunfähigkeit durch zumutbare Maßnahmen der Rehabilitation nicht beseitigt oder vermieden werden und liegt voraussichtlich mindestens sechs Monate Erwerbsunfähigkeit vor, ist der Versicherungsfall eingetreten.

Bei der Beurteilung, ob eine  Erwerbsunfähigkeit vorliegt, wird auch auf das Alter des Versicherten Rücksicht genommen. Mit zunehmendem Alter wird der Bereich der Tätigkeiten eingeschränkt, die dem Versicherten noch zugemutet werden können.

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Erwerbsunfähigkeit vor Vollendung des 50. Lebensjahres

Vor Vollendung des 50. Lebensjahres sind alle selbständigen und unselbständigen Tätigkeiten zumutbar, die mit den gesundheitlichen Einschränkungen noch ausgeübt werden können, z. B. einem Malermeister werden noch leichte Bürohilfsarbeiten zugemutet.

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Erwerbsunfähigkeit ab Vollendung des 50. Lebensjahres und vor Vollendung des 59. Lebensjahres

Über 50-jährigen Versicherten – gilt für Frauen und Männer gleichermaßen – wird nur die Umstellung auf eine Tätigkeit zugemutet, die mit ihrer bisherigen Tätigkeit artverwandt ist.

Diese Regelung kommt zur Anwendung, wenn

  • die selbständige Tätigkeit mindestens fünf Jahre lang ausgeübt wurde und
  • in den letzten 15 Jahren mindestens 90 Pflichtversicherungsmonate (irgend)einer selbständigen Erwerbstätigkeit, einer Tätigkeit als Angestellter oder einer Tätigkeit in einem erlernten/angelernten Beruf erworben wurden.

Sie müssen keinen völlig neuen Beruf erlernen, sondern nur einen, bei dem Sie ihre bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten weiter einsetzen können, z. B.  Der Betreiber einer Bedienungstankstelle kann auf eine Selbstbedienungstankstelle verwiesen werden, wo er sich auf Inkassotätigkeiten beschränken kann.

Inhabern von größeren Betrieben, die schon bisher nur unternehmensleitend tätig waren, kommt dieser mildere Begriff nicht zugute.

Zusätzlich gibt es für über 50-jährige Frauen und Männer eine weitere „milde“ Bestimmung, wenn ihre Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt ist und zu erwarten ist, dass kein entsprechender Arbeitsplatz innerhalb eines Jahres erlangt werden kann („Härtefallregelung“).

Diese Regelung kommt zur Anwendung, wenn

  • mindestens zwölf Monate Arbeitslosigkeit unmittelbar vor dem Stichtag vorliegen und
  • mindestens 360 Versicherungsmonate, davon mindestens 240 Beitragsmonate der Pflichtversicherung aufgrund Erwerbstätigkeit vorhanden sind. 
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Erwerbsunfähigkeit ab Vollendung des 59. Lebensjahres

Frauen und Männer, die das 59. Lebensjahr erreicht haben und ihre selbständige Tätigkeit in den letzten 15 Jahren mindestens zehn Jahre ausgeübt haben, sind erwerbsunfähig, wenn sie ihren Betrieb nicht mehr weiterführen können.

Dabei wird allerdings geprüft, ob der Betrieb so umorganisiert werden kann, dass er trotz der gesundheitlichen Einschränkungen rentabel weiterbetrieben werden kann (z. B. Aufgabe besonders belastender Geschäftsfelder, zusätzliches Personal).

Bis 2017 ist eine stufenweise Anhebung des Anfallsalters für den Tätigkeitsschutz vorgesehen.

Stichtag im Jahr Lebensjahr
2012 vollendetes 57. Lebensjahr
2013 bis 2014 vollendetes 58. Lebensjahr
2015 bis 2016 vollendetes 59. Lebensjahr
ab 2017 vollendetes 60. Lebensjahr

      






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Voraussetzungen

Ein Anspruch besteht, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • die Mindestversicherungszeit ist erreicht
  • eine Rehabilitation ist nicht möglich
  • die Erwerbsunfähigkeit dauert voraussichtlich mindestens sechs Monate
  • es besteht kein Anspruch auf vorzeitige Alterspension (Ausnahme Korridorpension) 

Sie erfüllen die Mindestversicherungszeit, wenn Sie in einer bestimmten Anzahl von Monaten pensionsversichert waren. Dafür können Beitragsmonate oder Versicherungsmonate erforderlich sein.

  • Beitragsmonate erwerben Sie durch eine Erwerbstätigkeit oder eine freiwilligen Versicherung.
  • Versicherungsmonate sind alle Beitragsmonate sowie bestimmte Zeiten, für die Sie selbst keine Beiträge leisten (z. B. Kindererziehungszeiten, Präsenz- und Zivildienstzeiten, Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs).

Die Mindestversicherungszeit ist erfüllt, wenn eine der folgenden Voraussetzungen vorliegt:

  • mindestens 180 Beitragsmonate der Pflichtversicherung (dazu zählen pro Kind auch bis zu 24 Monate des Bezuges von Kinderbetreuungsgeld) oder freiwilligen Versicherung 
  • mindestens 300 Versicherungsmonate 
  • Sie haben das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet und mindestens 60 Versicherungsmonate in den letzten 120 Kalendermonaten erreicht.
    Achtung – ab Vollendung des 50. Lebensjahres: Für jeden weiteren Lebensmonat ab Vollendung des 50. Lebensjahres erhöht sich die Anzahl der erforderlichen Versicherungsmonate um einen Monat. Die Kalendermonate, in denen die Versicherungsmonate liegen müssen, erhöhen sich für jeden weiteren Lebensmonat um zwei Monate. Maximal erforderlich sind 180 Versicherungsmonate in den letzten 360 Kalendermonaten.
    (Beispiel: Eine am 15.April 1964 geborene Person stellt einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeitspension zum 1. September 2017. Zu diesem Zeitpunkt ist sie 53 Jahre und vier Monate alt. Erforderlich sind 100 Versicherungsmonate (60 + 40) in den letzten 200 (120 + 80) Kalendermonaten)
  • Sie haben das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet und mindestens sechs Versicherungsmonate

Die Mindestversicherungszeit entfällt, wenn die Ursache der Erwerbsunfähigkeit in einem Arbeitsunfall, einer Berufskrankheit oder einem Dienstunfall beim Bundesheer liegt.

Info

Bitte beachten Sie: Es darf keine andere Pension in Anspruch genommen werden können.

  • Ausnahme: Bei Erfüllung der Voraussetzungen für die Korridorpension besteht auch ein Anspruch auf die Erwerbsunfähigkeitspension.
  • Jeder Antrag auf Erwerbsunfähigkeitspension gilt vorrangig als Antrag auf Rehabilitation. Wir prüfen vor Auszahlung einer Pension, ob eine Wiedereingliederung in das Berufsleben möglich ist.
  • Die Erwerbsunfähigkeitspension wird nur ausbezahlt, wenn die für die Beurteilung der Erwerbsunfähigkeit maßgebliche Tätigkeit eingestellt wurde.
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Anfall und Befristung

Eine Erwerbsunfähigkeitspension wird grundsätzlich auf höchstens zwei Jahre befristet.
Die Weitergewährung ist innerhalb von drei Monaten nach Ablauf der Befristung zu beantragen, um bei weiterem Vorliegen der Erwerbsunfähigkeit eine Unterbrechung des Bezuges zu verhindern. Die Pension gilt dann wiederum für zwei Jahre.

Sollte eine dauernde Erwerbsunfähigkeit vorliegen, wird die Pension unbefristet zuerkannt.