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1958 bis heute


Am 18. Dezember 1957 wurde vom Nationalrat das Gewerbliche Selbständigen-Pensionsversicherungsgesetz beschlossen; es trug die Kurzzeichnung GSPVG und war im Bundesgesetzblatt Nummer 292/1957 erschienen. Als Zeitpunkt des Inkrafttretens wurde hinsichtlich der beitragsrechtlichen Bestimmungen der 1. Jänner 1958 und hinsichtlich des Leistungsrechts der 1. Juli 1958 festgelegt.

Das Pensionsversicherungsgesetz für die gewerblich Selbständigen wurde buchstäblich über Nacht in Kraft gesetzt. Die mit der Durchführung des GSPVG betraute Pensionsversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft bestand im Zeitpunkt des Wirksamkeitsbeginnes nur auf dem Papier. Obwohl also weder Personal noch Räumlichkeiten vorhanden waren, musste die Pensionsversicherungsanstalt sofort mit der Beitragseinhebung und Leistungserbringung beginnen.

Entwicklung der Pensionsversicherten

Im Jänner 1958 gehörten zur Riskengemeinschaft bei weitem nicht alle jene Personengruppen, die heute unter dem Schutz der gewerblichen Pensionsversicherung stehen. Auch diverse Ausnahmebestimmungen führten dazu, dass der Kreis der an sich versicherungspflichtigen Gewerbetreibenden und Freiberuflern erheblich eingeengt war. Solche Ausnahmebestimmungen bestanden beispielsweise für Gewerbetreibende, die eine Landwirtschaft über einem gewissen Ausmaß führen; weiters für die Ehegattin eines Versicherten mit dem selben Gewerbe und schließlich für ASVG-Pensionsversicherte und Beamte.

Die Gruppe der Handelskammermitglieder beziehungsweise der Versicherten Gesellschafter von handelskammerzugehörigen Offenen Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung bildeten die überwiegende Mehrheit der GSVG-Versicherten. Zum Versichertenstock gehörten weiters Wirtschaftstreuhänder, Dentisten, Journalisten, Künstler (ab 1958), Tierärzte (ab 1964), Ärzte, Apotheker und Patentanwälte (ab 1979). 

Bei der Gründung des Institutes wurde von den Interessenvertretungen der versicherten Berufsgruppen Verzeichnisse ihrer Mitglieder nach dem Stand vom 1. Jänner 1958 übergeben. Gemeldet wurden 290.000 Mitglieder, von denen allerdings mehr als 25 Prozent von der Pflichtversicherung ausgenommen waren. Ende 1958 belief sich der Stand der Pflichtversicherten auf 212.000. Ende 1959 gab es mehr als 218.000 Gewerbetreibende und Freiberufler, doch in den Folgejahren war eine fallende Tendenz zu beobachten. Auch durch Erweiterungen des Versichertenkreises konnte der Abwärtsentwicklung vorerst nicht Einhalt geboten werden. 1978 wurde der Tiefstand mit nur noch 174.700 Versicherten erreicht.

Eine gewisse Trendumkehr brachten die Einführung der "Mehrfachversicherung" in der Pensionsversicherung im Jahr 1980 und der in den 80iger Jahren zu beobachtende Aufschwung der österreichischen Wirtschaft. 1980 waren 188.800 Gewerbetreibende und Freiberufler pensionsversichert. In den nächsten Jahren wuchs der Versichertenstand kontinuierlich an. Im Jahr 1989 wurde wieder die 200.000er Marke überschritten und Ende 2001 konnten bereits 282.000 Versicherte gezählt werden. 2007 betreute die SVA bereits rund 330.000 Versicherte. 

Eine weitere Aufwärtsentwicklung im Versichertenstand ergab sich dadurch, dass seit dem Jahr 1998 die sogenannten "Neuen Selbständigen" von der gesetzlichen Sozialversicherung erfasst wurden. Dadurch wurden alle bis dahin nicht versicherungspflichtigen selbständig Erwerbstätigen (Freiberufler) in die gewerbliche Pensionsversicherung einbezogen. Ende 2001 wurden 27.000 "Neue Freiberufler" gezählt.

Pensionsbezieher

Die Handelskammern zahlten Ende 1957 Unterstützungen an rund 24.000 Mitglieder. Daneben gab es viele ehemalige Gewerbetreibende und Hinterbliebene, die keine Unterstützung erhalten konnten. Schon im ersten Jahr der gewerblichen Pensionsversicherung langten mehr als 50.000 Pensionsanträge ein; 1959 wurden bereits 20.000 Pensionen ausgezahlt. Seit damals stieg die Zahl der Pensionsbezieher: 1969 wurde die 100.000er Grenze überschritten. 1979 gab es 133.000 Pensionsbezieher und derzeit werden mehr als 161.000 Pensionen gezahlt.

Selbständigenvorsorge ab 2008

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Pensionsversicherung der Selbständigen ist die mit 1.1.2008 in Kraft getretene Selbständigenvorsorge.
Analog der betrieblichen Mitarbeitervorsorge im Unselbständigenbereich zahlen nun auch die selbständig Erwerbstätigen steuerlich absetzbare Beiträge in eine Vorsorgekasse ein, aus der sie bei Beendígung der Erwerbstätigkeit eine steuerlich begünstigte Einmalzahlung oder eine Zusatzpensionsleistung zu erwarten haben.