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Erste erfolglose Projekte


Die ersten Einrichtungen einer Art Altersvorsorge für selbständig Erwerbstätige beziehungsweise deren Hinterbliebenen lassen sich im ausklingenden 18. Jahrhundert nachweisen. Beispielsweise existierten um 1800 in Wien eine Witwenkasse der bürgerlichen Gold- und Silberarbeiter und eine Gesellschaft der Witwenkasse des bürgerlichen Handelsstandes.

Neben diesen wenigen, auf eine bestimmte Zunft begrenzten Vereinen haben sich im Vormärz private Versicherungsanstalten und vor allem die Sparkassen um die Verbreitung von privaten Vorsorgen bemüht. Die vielen infolge der Industrialisierung verarmten Selbständigen, z. B. Spinner, Weber, Müller, konnten jedoch an einem solchen privaten Schutz nicht teilhaben; sie waren auf die Unterstützung der um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts entstandenen Wohltätigkeitsvereine angewiesen.

Angesichts der allgemeinen Not für Kleingewerbetreibende ist es verständlich, dass gegen Ende des 19. und zu Beginn unseres Jahrhunderts mehrere Male die Einführung einer Alterssicherung gefordert wurde. Beispielsweise 1904, als von der damaligen Regierung Körber ein Programm für die Reform und den Ausbau der Arbeiterversicherung veröffentlicht wurde, wurde auch eine volle Einbeziehung der gewerblich Selbständigen in dieses Programm verlangt.

Diese Forderung führte in der Folge zu heftigen öffentlichen Diskussionen. Sie hatten aber einen gewissen Erfolg, da im Jahr 1908 die Regierung Beck einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegt. Darin wurde erstmals der Versuch unternommen, den Pensionsschutz - den die Angestellten schon 1906 durchsetzen konnten - auf bestimmte Selbständige auszudehnen, vor allem eben auf Kleingewerbetreibende. Die Idee einer Riskengemeinschaft, der Selbständige und Unselbständige angehören, wurde mehrheitlich abgelehnt; Widerstand gab es selbst aus Kreisen der Industrie und des Gewerbes.

Manche der 1908 kritisierten Bestimmungen waren 1911 in einer Regierungsvorlage in modifizierter Form enthalten. Doch als es im Frühsommer 1914 endlich gelungen war, die mühsamen und langwierigen Ausschußsitzungen des Reichsrates über eine einheitliche Pensionsversicherung für Arbeiter und Gewerbetreibende abzuschließen und nur noch geringe Differenzen offen blieben, brach der Erste Weltkrieg aus. Dadurch wurde die Realisierung eines Projektes vereitelt, das auch den rund vier Millionen Selbständigen im Gebiet der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie und deren mitarbeitenden Familienangehörigen eine Existenzsicherung bei Alter, Erwerbsunfähigkeit und Tod des Familienerhalters geboten hätte.

Nach dem Ersten Weltkrieg schien der Aufbau der Arbeiterversicherung vordringlich. Erst 1926 wurden vom Bundesministerium für soziale Verwaltung Grundzüge einer Altersversicherung für Selbständige ausgearbeitet. Da aber wiederum eine einheitliche Stellungnahme der Interessentenkreise nicht zu erzielen war, wurde die Idee der Altersversicherung der Selbständigen nicht weiter verfolgt.

In den dreißiger Jahren wurde dann der nächste Anlauf zur Schaffung einer Pensionsversicherung für gewerblich Selbständige genommen. Die Einführung der Pensionsversicherung wurde jedoch vom Absinken der Arbeitslosenquote unter ein bestimmtes Niveau abhängig gemacht. Da diese Voraussetzung nicht eintrat, blieben Gewerbetreibende - aber auch Arbeiter - weiterhin ohne Pensionsvorsorge.